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«Verfasser Andreas Linhart Angestrebter akademischer Grad Magister der Philosophie (Mag.phil.) Wien, im Mai 2008 Studienkennzahl lt. Studienblatt: ...»

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Peter Sutton verwies auf die generelle Regel, dass atomistische Tendenzen eher bei Indigenen an den australischen Küstenstreifen zu finden waren, kollektivistische eher bei Gruppen in den ariden Gebieten (vgl. Sutton 1995a: 1), jedoch legte er diesbezüglich Wert auf eine exakte und umfassende Feldforschung und keine primäre Bevorzugung der einen oder anderen Strömung durch die beratenden AnthropologInnen. Eine gut recherchierte, ethnographische Forschung und darauf

aufbauend eine exakte, unabhängige Konzeption der Einheiten würden auch die Fragen der Darstellung indigener Tradition innerhalb der native title Anträge erleichterten (vgl. Sutton 1995a:

3ff.).

20.1.2. “Unite to be strong” – Nic Petersons Konzeptualisierung Ein anderer Anthropologe, der seit Jahrzehnten im australischen Northern Territory in Landrechtsverfahren tätige Nicolas Peterson, proklamierte ein weiters Model der Konzeptualisierung von „traditionellen“ indigenen Gruppen, welche er auf Basis von “exclusive possession“, “full beneficial ownership“62 und “succession“63 festlegte (vgl. Peterson 1995a: 11-17). Peterson folgte diesbezüglich einem Artikel des Juristen Hal Wootten64, in welchem dieser indigenen Gruppen, die einen „exklusiven Besitzanspruch“ auf ihr Land stellen könnten, ein „unbeschränktes, unmittelbares Eigentumsrecht“ auf dieses Gebiet zusprach, sprich einen native title Anspruch auf

Umwegen:

„The question for anthropologists is: what formulation of Aboriginal claims for the recognition of native title will help Aboriginal people have the best chance of gaining full beneficial ownership?” (Peterson 1995a: 11).

Um ein so tituliertes “full beneficial ownership“ beanspruchen zu können, müsste ebenso eine “exclusive possession“ einer Gruppe nachgewiesen werden. Damit sich nicht mehrere indigene

Gruppen darin widersprechen würden, sei die Eingabe einer größeren indigenen Einheit als Antragssteller logischerweise vorteilhafter:

„It seems clear, however, as Wootten argues (1994)65, that it will be much easier to establish native title successfully if a claim can be brought in terms of an overarching group (a ‘people’) with exclusive possession rather than in the name of the individuals and sub-goups which go to make it up” (Peterson 1995a: 12).

Der Nachweis dieser “exclusive possession“ sollte demnach, so Peterson, durch eine Subgruppen übergreifende, kollektive Antragstellergruppe erfolgen, welche er als “people“ bezeichnete.

Die Frage der Darstellung und Ausformulierung dieser “people“ wäre eine rein konzeptuelle Problematik, eine innere Grenzziehung zwischen den Einheiten und Gruppendefinitionen wären demnach nicht notwendig. Ein entscheidendes Element bezüglich des Nachweises von exclusive possession und des native title stellte jedoch so Peterson die Frage der Kontinuität dar. So brachte er daher einen weiteren Begriff, den der “succession“, der Ab- und Nachfolge von Indigenen ein (vgl. Peterson 1995a: 13ff.). Unbestritten war, dass viele indigene Gruppen im Laufe der Zeit legitime Rechte auf Gebiete entwickelt hatten, welche zuvor von anderen Gruppen bewohnt worden waren. Durch Abwanderung oder andere Veränderungen konnten auf solche Gebiete, noch vor der Zeit der kolonialen Eroberung, neue, „exklusive Besitzer“ nachfolgen. Dieses präkoloniale System einer Nachfolge stellte somit laut Peterson nicht einen Bruch in der Kontinuität des Landbesitzes dar, sondern war ein notwendiges indigenes Element um überhaupt eine anhalDer juristische Begriff exclusive possession drückt im common law einen alleinigen Besitzanspruch aus, full beneficial ownership ein absolutes unmittelbares Eigentumsrecht

Mit ”succession“ bezieht sich Peterson auf die legitimierte Nachfolge anderer indigener Gruppen und deren spirituellen Beziehungen auf ein bestimmtes Landgebiet:

„Succession refers to the processes by which legitimate rights and interests in a tract of country are passed on where there are no immediate heirs because a land-holding group has become extinct” (Peterson 1995a: 14).

Siehe WOOTTEN, Hal. 1994. Mabo – Issues and Challenges. The Judicial Review 1: 303-365 Anm d. Verf.: WOOTTEN, H. 1994. Mabo – Issues and Challenges. The Judicial Review 1: 303-365 tende, indigene Landbeziehung aufrechtzuerhalten. Deshalb würden größere Einheiten diese Beziehungen zum Land für den “native title“ nachweislicher reproduzieren als kleinere Gruppen.

Jedoch:

„The question for native title claims is how far can succession be taken: at what stage does it lose its force as an argument for continuity? And how can native title claims involving succession best be framed to ensure the maximum change of the recognitions of native title?” (Peterson 1995a: 14).

Die Prinzipien dieser Konzeption basierten somit auf der Argumentation, dass sich mehrere indigene Gruppen zu Einheiten von Antragsstellern zusammenfinden sollten, um eine möglichst extensive Auslegung der Beziehung zu ihrem beanspruchten Gebieten nachweisen zu konnten.

Mehrere Gruppen sollten geschlossen einen Antrag auf eine “exclusive possession“ und einen “beneficial ownership“ stellen. Allein die Konzeption gruppenübergreifender Einheiten hätte die Möglichkeit, quantitativ stärkere, „traditionellere“ Bindungen zu einem größeren Landgebiet nachzuweisen und sich so besser gegen Antragsgegner durchsetzen zu können. Die Aufgabe der AnthropologInnen sei es nunmehr, verstärkt auf die positiven Synergieeffekte der „Konzeptionalisierung“ von „kollektiven Einheiten“ hinzuweisen. Wichtig sei das kollektive Interesse der indigenen Gruppen ein unbeschränktes und unmittelbares Eigentumsrecht auf ihr Land zu beantragen; gleich wie sich die innere Aufteilung und Abgrenzung untereinander stellte (vgl. Peterson 1995c: 123).





In der Tat entwickelten sich Antragsstellergruppen aus mehreren indigenen Untergruppen, wie beispielsweise die „Wik Völker“, welche sich in ihrem Antrag vor dem Federal Court als “Wik Peoples“ präsentierten, von diesem, offensichtlich ratlos jedoch als mögliche „Gruppe“ oder “Clan“ kollektiv zusammengefasst wurden:

„The action was brought by the Wik Peoples, an Aboriginal clan or group, for a declaration that it has certain native title rights over a large area of land in North Queensland” (Wik Peoples vs. Queensland. FCA 1205 1996: para. 1).

Die von Peterson proklamierte gemeinsame Antragstellung mehrerer Gruppen wurde in diesem Fall ebenso umgesetzt, wie der Beitritt der Thayorre Gruppe als Nebenkläger der Wik Klage belegt. Dabei wurde vom Gericht explizit auf die „überlappenden“ Ansprüche der Antragsteller

bezüglich des reklamierten Landgebietes eingegangen:

„One of the respondents is the Thayorre People, another Aboriginal clan or group, who have cross-claimed for a similar declaration in respect of lands that, in part, overlap those the subject of the Wik Peoples'claim” (Wik Peoples vs. Queensland. FCA 1205 1996: para. 1).

20.1.3. Kritik und Verteidigung von Nic Petersons Konzeptualisierungsmodell Nic Petersons Konzeptionsvorschläge nahmen unbestritten Anleihe bei der klassischen anthropologischen Sezierung „Land besitzender Einheiten“. Gerade aufgrund der problematischen Vergangenheit der anthropologischen Disziplin mit dem Thema “model making“ waren vielen KollegInnen, wie beispielsweise Diane Smith, Nic Petersons präferenzielle Konzeptionalisierung zu suspekt. Manche AnthropoloInnen, so Smith würden wohl mehr an ihre eigenen Modelle denken als an die Fakten, welche ihnen von indigener Seite zugetragen würden (vgl. Smith 1995: 41).

Kritische Bedenken bezüglich der fusionierenden Kraft der Konzeptionen hatte bereits Erich

Kolig 1981 geäußert:

„While conception remains a useful concept to justify claims to the new land, title and rights are no longer vested in specific individuals who are members of a clan, but in that amorphous changeable entity, the mob” (Kolig 1981: 30).

Ein weiterer zentraler Vorwurf war, dass der Versuch der Konzeption bestimmter indigener Gruppen viel mehr der einer Kreation sei, welche auf ökonomisch gesteuerten indigenen Utopien fußte. Eine geschlossene Einheit, bestehend aus untereinander unabhängigen Einheiten, könnte in den seltensten Fällen auf historischen Fakten basierenden. Die Anthropologie habe sich diesbezüglich vom essenziellen Wert kultureller Traditionen und ihrer kritisch analytischen Prämisse ethnographisch basierender Fakten entfernt, so die Kritiker.

Es gab jedoch nicht nur Ablehnung gegenüber Nic Petersons Vorschläge. Die Überlegung, individuelle, atomistische Interessen durch die Zusammenlegung in ein kollektives System zu verstärken, erschien durchaus praktikabel. Als einzelne, schwache Einheit wäre eine gleichberechtigte, egalitäre Auseinandersetzungen mit Antragsgegnern im „Feld“ der Verhandlung auch um ein Vielfaches schwerer zu führen gewesen. Der Unterschied zwischen der Konzeption von Antragstellern und der Kreation von Gruppen mit „fragwürdiger“ traditionell kontinuierlicher Bindung lag in der ethnographischen Gegebenheit, so der Tenor anderer AnthropologInnen. Es wäre

schier unmöglich, Einheiten mit traditionellen Bezügen zu kreieren, noch ihnen diese aufzusetzen:

„In a sense, you have to find a group that has some kind of integrity in traditional culture – you can’t manufacture the group. But in some ways you are looking around for a group that, taken together, has all of the required characteristics for expressing full beneficial ownership over a delimited area of land. That is a completely different approach, starting from a completely different principle” (Sullivan 1995d: 123).

Peter Sutton widersprach ebenso dem Argument, dass übergreifende „Großgruppen“ eine künstlich kreierte Anomalie wären, welche dem sozialorganisatorischen Zustand der präkolonialen Zeit konträr gegenüberstehen würde. Er verwies darauf, dass im großen Rahmen zeremonielle Zusammenkünfte mehrer indigener Subgruppen vielfach festgehalten und beschrieben wurden (vgl. Sutton 1995a: 9). Selbst die Probleme undefinierbarer und überschneidender kultureller Grenzen als auch überlagerter sozialer Ansprüche und Verantwortungen könnten, wie Peterson andeutete, durch die Vorteile einer größeren Einheit umgangen werden. Die Akkumulation dieser Interessen verstärke Synergien und keinesfalls automatische Kontroversen bezüglich innerer Anspruchsrechte der “peoples“.

Patrick Sullivan berichtete von einem Beispiele aus der Praxis66 (vgl. Sullivan 1995b: 57). So beschrieb er vier Gruppen, die unterschiedlich gut belegbare Anrechte und Interessen auf ein bestimmtes Gebiet stellten, dies jedoch auf gegenseitig überlagernden und konkurrierenden Ebenen. Keine Gruppe hätte jedoch der anderen ihre Ansprüche verwehrt bzw. sie als fiktiv abgetan.

Somit widersprachen jedoch alle Gruppen dem Prinzip, welches für eine “exclusive possession“ bzw. “full beneficial ownership“ notwendig gewesen wäre. Die Lösung lag, so Sullivan, jedoch klar auf der Hand. Als die jeweiligen Gruppen mit der Problematik der native title Verhandlungen vertraut gemacht wurden, war ihnen von sich aus klar, dass sie in diesem Fall als eine Einheit kohärent miteinander verbunden waren und somit wurde aus den vier Subgruppen eine groOhne jedoch, möglicherweise aus datenschutzrechtlichen Gründen, die Namen der indigenen Gruppen zu nennen.

ße Einheit von Antragsstellern. Bruce Rigsby wiederum beobachtete, wie einzelne indigene Gruppen sich verstärkt als geschlossene „Sprachgruppe“ in Landrechtsanträgen präsentierten.



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