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«Andreas Fuchs War das Neuassyrische Reich ein Militärstaat? Um Missverständnisse zu vermeiden, g ilt es zunächst, die Beg riffe „Militärstaat ...»

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surs hegten, dass nämlich d essen Teile sich nie gegen ihren König zusammenfind en und stattdessen miteinand er um seine Gunst wetteifern würd en.

War also Assyrien ein Militärstaat?

Es d ürfte deutlich geword en sein, dass sich die vier eingangs angeführten Eigen­

schaften eines Militärstaates im neuassyrischen Reich wied erfind en:

1. Es besaß d en Willen und eine id eologisch-religiöse Grund lage, Krieg zu führen. Das Durchsetzen d er göttliche Weltord nung bild ete d abei nur d ie Legitimation d er Kriege, nicht d as wirkliche Staatsziei.

Die Eroberungen selbst folgten sehr rationalen, zumeist ökonomischen und strategischen Gesichtspunkten. Krieg war d as hauptsächlichste Mittel, sowohl Politik zu betreiben, wie auch d ie Einkünfte d es Rei­ ches zu mehren.

2. Krieg war außerd em d ie hauptsächliche Beschäftigung d er maßgeb­ lichen Teile seiner Bevölkerung. Dieser Punkt hat vor allem d ann Gül­ tigkeit, wenn man Assyrien in einer eher orientalischen Sichtweise auf d ie Dynastie und d ie Elite, also d en Apparat beschränkt und d ie be­ herrschten Völker als lebend es Inventar d es Reiches betrachtet. Natür­ lich gab es d en normalen Assyrer, d er d em Apparat nicht angehörte, nicht an Feld zügen teilnahm und sich stattd essen um Haus und Hof kümmerte, ein Hand werk od er Hand el betrieb, od er sonst einer fried li­ chen Beschäftigung nachging. Aber er war insofern nicht maßgeblich, als er kein politisches Mitspracherecht besaß, weil alles Wesentliche innerhalb d es Apparates entschied en wurd e, wo er nichts zu meld en hatte und d essen Ford erungen er sich nicht entziehen konnte. Alle Tei­ le d es Apparates, selbst d ie noch vergleichsweise unabhängigen Tem­ pel, waren mehr od er weniger in d ie beständ igen Kriegsanstrengungen einbezogen.

3. Assyrien war nicht nur organisatorisch d azu fähig, seine Mittel zu einem großen Teil und d auerhaft für d en Krieg zu nutzen, sond ern es 56 Andreas Fuchs v erschaffte sich den Großteil seiner Mittel eben mit Hilfe des Krieges.

Deshalb beruhte

4. der Fortbestand des Reiches ganz ausschließlich und auch materiell darauf, immerfort militärisch erfolgreich sein zu müssen.

Nur w enn w ir die zusätzliche Forderung erheben, dass zu einem Militärstaat auch die Herrschaft des Militärs, also eine Militärdiktatur gehören müsse, fällt Assyrien nicht in diese Kategorie, denn die Könige entstammten nicht einem w ie immer gearteten Offizierskorps, sondern einer alteingesessenen Dynastie, die es sich stets angelegen sein ließ, es gerade nicht zur Herrschaft ihrer Streitkräfte kommen zu lassen.

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