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«Gerd Fritz Dynamische Texttheorie Gießener Elektronische Bibliothek 2013 Dynamische Texttheorie Linguistische Untersuchungen 5 Herausgegeben von ...»

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Folgenden eine kleine Liste von Funktionen der Links:

(i) Sie verweisen auf Hintergrundinformation zu Personen, Institutionen und theoretischen Konzepten etc. (z.B. wer Barbara Scholz ist (LL 233), was das British National Corpus ist (LL 232) oder was eine PP ist (LL 185), (ii) sie dienen dem Verweis auf relevantes (Beleg-)Material in anderen Blogs und sonstigen Medien, (iii) sie dienen der Vermittlung von Literaturhinweisen und bibliographischen Daten, sie dienen dem Verweis auf verwandte Themen im „Language Log― (iv) sowie in anderen Medien.

Damit sind Links auch ein wichtiges Instrument der Intertextualität.

11.4 Comments

Angesichts der Tatsache, dass die lebhafte Nutzung der Kommentarfunktion und die damit ermöglichte Interaktivität seit ihrer Einführung im Jahre 2008 charakteristisch für den „Language Log― ist, wäre eine eigene Studie zu den „comments― wünschenswert. Methodisch könnte man sich dabei an HansJürgen Buchers Untersuchung zur „Pressekommunikation― (Bucher 1986) orientieren, der unter anderem „Themenstruktur und Interaktionsstruktur in Leserbriefkommunikationen― analysierte (Bucher 1986, 16ff.). In einer solchen Studie müssten der thematische und funktionale Bezug der „comments― zu den Blogposts, die Reaktionen der Blogger auf „comments― sowie die thematischen und funktionalen Verknüpfungen der „comments― untereinander anhand von größeren Datenmengen analysiert werden. Dies ist im Rahmen des vorliegenden Kapitels nicht möglich. Ich möchte aber doch kurz skizzieren, welche methodische und inhaltliche Bedeutung die Untersuchung der „comments― für die Gesamtanalyse des Blogs hat.

Vorweg möchte ich aber erläutern, warum ich in den letzten Sätzen den Ausdruck comments in Anführungszeichen gesetzt habe. Der Ausdruck comments wird auf dem Blog zunächst einmal zum Bezug auf eine technische Funktion verwendet. Welchen kommunikativen Status die mithilfe 574 Kapitel 11 dieser technischen Funktion beigesteuerten Beiträge haben, bleibt damit noch offen. Das „Concise Oxford Dictionary― erläutert die Bedeutung von comment folgendermaßen: „a remark, esp. critical―. Zumindest in der Zentralverwendung ‚kritische Bemerkung‗ wäre die kommunikative Funktion dieser Beiträge eindeutig zu restriktiv beschrieben. (Für die deutsche Wiedergabe mit Kommentare gälte Vergleichbares.) Eine wichtige Aufgabe der Analyse wäre es gerade, die funktionalen Typen von Beiträgen und deren Verknüpfung mit den Ausgangstexten, d.h. den Blogposts selbst, zu bestimmen. Einen ersten Schritt in diese Richtung tun Liberman und Pullum selbst, wenn sie in der Einleitung zu „Far from the madding gerund― folgende Liste von Typen der Reaktion auf ihre Blogposts anführen, die sie (in dieser Frühphase des Blogs) per Email erreichten: „Enthusiastic congratulations, helpful corrections, sour disagreements, stern objections, well-informed grousing, clever counterexamples, warm praise, new observations, related ideas, pedantic remarks― (LL xiv). Diese Liste zeigt die funktionale Vielfalt der Beiträge und deutet damit schon an, warum eine funktionale Kategorie „comment― oder „Kommentar― deskriptiv unzureichend wäre. Ich verwende im Folgenden den Ausdruck Comment (mit „C―) als Kennzeichnung von Beiträgen, die diese technische Funktion nutzen, ohne damit eine kommunikativ-funktionale Zuordnung zu verbinden.

Die Bedeutung der Comments für den „Language Log― kann man mit einigen quantitativen Daten demonstrieren: Im Monat Oktober 2010 wurden zu 63 Blogposts – einer stattlichen Zahl! – insgesamt 2509 Comments geschrieben, das bedeutet eine durchschnittliche Zahl von knapp 40 Comments pro Blogpost. Für die tatsächliche Verteilung sind besonders die Spitzenreiter von Interesse: 152 Reaktionen auf den Post „Translating the untranslatable“ vom 8.10.10 (gkp), 128 Reaktionen auf „What's the plural of syllabus?― (04.10.10, myl) und 120 Reaktionen auf „The sounds instruments make― (07.10.10, myl) (gezählt am 05.11.2010; in den folgenden Tagen kamen immer noch einzelne Comments dazu).

Wenn man die methodische Relevanz der Analyse von Comments für die Untersuchung der Praxis des Bloggens zu bestimmen sucht, so lässt sich

zunächst einmal feststellen, dass Comments ein wichtiger Rezeptionsindikator sind, und zwar in folgender Hinsicht:

(i) Comments geben rein quantitativ Hinweise darauf, welche Themen, Auffassungen und Darstellungsformen die Leser der Blogposts interessant finden. Insofern sind sie auch ein Indikator des Erfolgs, sowohl für den Blog als Ganzen als auch für den einzelnen Post.

(ii) Comments geben Hinweise darauf, wie die Leser die Blogposts verstehen. Sie sind damit ein wichtiges hermeneutisches Hilfsmittel für Texttypen in wissenschaftlichen Blogs 575 die Analyse des Blogs selbst. In dieser Hinsicht wurden sie auch in der vorliegenden Untersuchung an einigen Stellen genutzt.

(iii) Eine Serie von Comments liefert häufig eine Zerlegung von Aspekten des im Post behandelten Themas und der Form der Darstellung, so dass diese Comments wertvolle Hinweise geben auf die Struktur der behandelten Themen und des Blogposts selbst.

Als integraler Bestandteil des Blogs sind Comments, wie schon erwähnt, auch ein Untersuchungsgegenstand sui generis. In Bezug auf das Potenzial des Formats „Blog― sind sie insbesondere ein Indikator für die Realisierung von Möglichkeiten der Interaktivität im Blog. Dabei sind folgende Typen der





Interaktivität zu unterscheiden:

(i) die Reaktionen auf einen Post, (ii) Reaktionen der Blogger auf Comments, (iii) Interaktivität innerhalb der Gruppe der Comment-Schreiber, (iv) durch die Verbindung der Formen (i) bis (iii) die Entstehung von kleinen Kontroversen und kollaborativen Interaktionen.

Alle diese Formen der Interaktion sind im „Language Log― zu beobachten und zeugen von einem beachtlichen Grad der Interaktivität. Was die Funktionen der einzelnen Comments angeht, so geben die zu Beginn dieses Abschnitts erwähnten, von Liberman und Pullum selbst genannten Funktionstypen einen guten ersten Überblick. Wenn man die Comments im Detail untersucht, kommt man noch zu weiter differenzierten Beschreibungen. Beispielsweise kann man bei den zahlreichen Reaktionen auf Pullums Post zu Problemen der Übersetzbarkeit „Translating the untranslatable― (28.10.10)

vor allem folgende zwei häufig vertretene Reaktionstypen unterscheiden:

(i) ein eigenes Beispiel geben (aus zahlreichen Sprachen von Chinesisch, Japanisch und Bahasa Indonesia bis Hebräisch, Griechisch und Deutsch), um die These von Pullum zu bestätigen, zu problematisieren oder zu widerlegen, (ii) die These selbst diskutieren (klären, ausdifferenzieren, kritisieren).

Das erste Muster „ein eigenes Beispiel/einen eigenen Beleg geben― findet sich auch gehäuft in den Reaktionen auf einen Post zu einem von Pullum als neu wahrgenommenen Gebrauch des Adjektivs random (LL 10.11.10, gkp).23 Nachdem der Verfasser seine Beobachtungen zu dem von ihm beoAuf die Struktur dieses Posts gehe ich in Abschnitt 11.8.1 näher ein.

576 Kapitel 11 bachteten Gebrauch des Adjektivs random mitgeteilt hat, fordert er die Leser

auf, über ihre eigene Kenntnis dieser semantischen Neuerung zu berichten:

(1) But commenters who have native knowledge of teenage British dialects may supply further information below.

Auf die mit (1) gemachte Aufforderung hin folgen zahlreiche Reaktionen.

Von den 121 Comments melden viele, dass der von Pullum hier beschriebene Gebrauch (mindestens) seit dem Jahr 2000 weit verbreitet ist (England, USA, Australien) und sogar in Wörterbüchern dokumentiert ist. Die lebhafte

Reaktion veranlasst Pullum zu folgender Ergänzung seines Posts:

(2) [I say they "may" supply further information. Did they ever. Comments confirming the new meaning, from all over the Anglophone world, started coming in instantly at one every sixty seconds, the fastest burst of commenting I have ever seen on Language Log. The recency illusion strikes again: I found the usage novel merely because I happened to have only just noticed it. It turns out to be a decade old at least. Eventually, after more than 60 comments, Jesse Sheidlower points out that the new sense is actually already in the Oxford English Dictionary! (I confess, I had not thought to check it, because I was in the grip of the recency illusion and thought it couldn't possibly be there yet!) —GKP] Dies ist ein schönes Beispiel für lebhafte Interaktivität im Blog und für die produktive Nutzung verstreuten Wissens für die kollektive Gewinnung neuer Erkenntnis.

11.5 Themenspektrum und Themenmanagement 11.5.1 Das Themenspektrum Ein verbindendes Element für die funktional vielfältig gestalteten Blogs ist das Themencluster Sprache, Sprachgebrauch und Sprachwissenschaft. Dass diese Themenwahl nicht nur faktisch so praktiziert wird, sondern auch normativ vorgegeben ist, sieht man sehr schön an Stellen, an denen die Verfasser explizit eine Themenabweichung signalisieren oder dem Verdacht entgegentreten, dass in diesem speziellen Post vielleicht gar kein linguistisches

Thema (mehr) behandelt wird:

(1) I realize this is Language Log, not Gender and Sexuality Blog, but these are topics we've often taken up, under the heading of how science is pursued and reported on. An announcement for a provocative Stanford talk coming up soon: […] [Die Überschrift des Blogs lautet ―Sex in the brain‖, GF] (LL 04.11.10, Arnold Zwicky) Texttypen in wissenschaftlichen Blogs 577 This being ―Language Log‖, you will be wondering, I know, how I will now (2) segue to a linguistic topic. I promise you, I will achieve this. (LL 144, gkp) The linguistic point, and I do have one, is […]. (LL 197, gkp) (3) Obligatory linguistic relevance: […]. (LL 29, myl) (4) Innerhalb des Großthemas Sprache, Sprachgebrauch, Sprachwissenschaft, das beispielsweise auch sprachliche Aspekte literarischer Texte oder den Sprachgebrauch in Comics umfasst, lassen sich wiederum verschiedene Teilthemen unterscheiden. Einen guten Überblick über diese Teilthemen aus der Sicht der Blogger kann man aus der Liste von 90 thematischen Kategorien („categories―) gewinnen, mit denen die Blogposts getaggt werden, so dass

für die Nutzer eine thematische Suche im Archiv des Blogs möglich ist:



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