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«Projekte Determinanten der sozialen Integration in der Grundschule: Beispiele aus der Praxis Mauro Amiguet Zur Geschichte der Beratung als Instrument ...»

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Definition von disziplinarischem Schulausschluss Wir sprechen von disziplinarischem Schulausschluss, wenn eine Schülerin oder ein Schüler wegen ihres bzw. seines Verhaltens teilweise oder ganz, vorübergehend oder definitiv nicht mehr am regulären Unterricht und/oder am Schulleben teilnehmen darf. Dieser Definition zufolge hat jeder Ausschluss vom Unterricht bzw. aus dem Schulhaus sowohl eine zeitliche als auch eine räumliche Dimension. In unserem Forschungsprojekt haben wir uns, in Anlehnung an die internationale Schulpraxis und Fachliteratur, vorwiegend mit einer bestimmten Form von disziplinarischem Schulausschluss befasst, nämlich mit dem befristeten oder definitiven Ausschluss einer Schülerin bzw. eines Schülers aus ihrem bzw. seinem angestammten Schulhaus. Im Deutschschweizer Diskurs zum Thema wird der Begriff Schulausschluss" jedoch oft erst im Zusammenhang mit einer endgültigen Entlassung aus der Schulpflicht verwendet.

Unerforschtes Thema in der Schweiz Unsere Studie wurde zu einem Zeitpunkt konzipiert und durchgeführt, als es sehr wenig systematisches Wissen über den disziplinarischen Schulausschluss in der Schweiz gab. Die Frage der Handhabung von disziplinarischem Schulausschluss in der Schweiz wurde im Rahmen von drei Teilprojekten bearbeitet.

Teilprojekt 1: Umfrage im Kanton Zürich (Mettauer und Szaday) Einzelne Kantone haben in den letzten Jahren begonnen, Daten über Schulausschlüsse zu sammeln. Das Ausmass von Schulausschlüssen ist aber in der Schweiz kaum systematisch erfasst und veröffentlicht. Unsere Umfrage bei allen Oberstufenschulgemeinden im Kanton Zürich (Rücklauf: 80%) ergab, dass im Schuljahr 2003/04 mindestens 119 Jugendliche (fünf Promille der Schülerschaft) vorübergehend oder definitiv von ihren Schulen verwiesen wurden. 70% dieser Jugendlichen wurden definitiv ausgeschlossen, das heisst sie wurden nicht in ihr angestammtes Schulhaus rückintegriert. Mehr als die Hälfte der Schulausschlüsse erfolgte im 9. Schuljahr.

Schülerinnen und Schüler aus Kleinklassen und Klassen mit niedrigem Anspruchsniveau sowie ausländische Jugendliche und Knaben waren statistisch übervertreten. Schulverweigerung aktiv (z. B. unregelmässiger Schulbesuch) oder passiv (z. B. Desinteresse, Leistungsverweigerung) sowie Stören des Unterrichts und schlechtes Benehmen wurden am häufigsten als Auslöser für den Schulausschluss genannt. Als Ziel des Ausschlusses nannten die Schulgemeinden bei definitiv ausgeschlossenen Knaben am häufigsten, den betroffenen Schüler von der Schule zu entfernen. Bei den Mädchen wurde der Ausschluss am häufigsten als Lösung oder Ausweg für die Schülerin beschrieben.

Teilprojekt 2: Schulausschlüsse zwischen 1900 und 1990 (Hürlimann) Es wurden 690 dokumentierte Schulausschluss-Fälle von 1900 bis 1990 in ausgewählten Archiven in den Kantonen Zug und Zürich erfasst. Dabei konnten Dörfer im ländlichen Kanton Zug und Schulkreise in der Stadt Zürich sowie die Praktiken bei überwiegender Laienbehörde (Zug) und bei professioneller Verwaltungsstruktur und schulischen Diensten (Zürich) miteinander verglichen werden. Das beanstandete Verhalten, das zu einem Ausschluss führte, trug über die ganze Untersuchungszeit hinweg das gleiche Muster. Es waren nicht die Aufsehen erregenden Vorfälle, sondern es war die Kumulation von vielen kleinen Verstössen gegen die Regeln. Aus Sicht der Lehrpersonen zeigten die Schülerinnen und Schüler ihnen gegenüber zu wenig Respekt, sie störten den Unterricht und setzten sich über die schulischen Aufgaben und Pflichten hinweg. Darüber hinaus trat dieses Verhalten immer wieder in Kombination mit Formen von Schulverweigerung, wie beispielsweise zu spätes Erscheinen oder Schwänzen des Unterrichts, auf. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Schulbehörden vor allem mit der Durchsetzung des pünktlichen Erscheinens und des regelmässigen Schulbesuchs beschäftigt. Im Verlauf der Jahre veränderte sich die Problemwahrnehmung. Die Situation in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts kann nicht mehr mit zu wenig erwünschtem Verhalten (Schulpräsenz), sondern mit zu viel unerwünschtem Verhalten (Störungen) charakterisiert werden.

Teilprojekt 3: Rückkehr nach einem Time-out (Mettauer) 16 Fälle von angedrohtem, befristetem oder definitivem Schulausschluss wurden analysiert. Dazu wurden Interviews mit Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrpersonen der Regelschule und Bezugspersonen der "Time-out-Schule" sowie mit Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern, Schulleitern und Mitgliedern der Schulbehörde geführt. Die 16 untersuchten Fälle von disziplinarischem Schulausschluss waren von den Merkmalen her recht heterogen. Schülerinnen und Schüler, die von der Schule gewiesen wurden, hatten neben sozialen Schwierigkeiten oft Schwierigkeiten im Lern- und Leistungsbereich. Während des Schulausschlusses besuchten die meisten Schülerinnen und Schüler eine "Time-out-Schule". Die Zeit an der Schule wurde von den Schülerinnen und Schülern sowie von weiteren befragten Personen fast ausnahmslos als positiv beschrieben. Flexible und individualisierte Massnahmen waren wichtig, damit die Kinder und Jugendlichen nach einem Ausschluss erfolgreich rückintegriert werden konnten. Zudem war eine gute und tragfähige Beziehung zwischen Lehrperson und Schülerin bzw. Schüler zentral für das Gelingen der Integration. Für Lehrpersonen, die eine Schülerin bzw. einen Schüler aus dem Time-out übernahmen, war es wichtig, dass sie als Lehrperson die Gewissheit hatten, dabei unterstützt zu werden. Insgesamt war es sowohl für die Rückintegration als auch für die Prävention von Bedeutung, dass die Schule ein zuverlässiges fachliches Netz der Kommunikation und der gegenseitigen Unterstützung pflegte.

Vermeidung und Überwindung von disziplinarischem Schulausschluss Vier wesentliche Elemente sind entscheidend für die Förderung der Verbundenheit der Schülerin

bzw. des Schülers mit der Schule und für die Reduzierung von Verhalten, das zu einem disziplinarischen Schulausschluss führen kann:

- Zugang zum Curriculum und Möglichkeiten für schulischen Lernerfolg

- Konstruktive Beziehungen mit Lehrpersonen sowie Mitschülerinnen und Mitschülern

- Faire, transparente und konsequent umgesetzte Disziplin an der Schule

- Aktive Mitwirkung der Eltern Projektdauer 01.08.2003-31.10.2006 Christopher Szaday Limmattalstrasse 281 8049 Zürich Tel. +41 (0)1 341 24 26 christopher.szaday@bluewin.ch



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