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«Tim Rosengart July 17, 2009 This is a Bucerius/WHU MLB thesis 12,832 words (excluding footnotes) Supervisor 1: Professor Dr. Bernhard Hirsch ...»

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Auch Dr. 9 verweist auf das Sozialgesetzbuch V, das ausdrücklich nur eine medizinisch notwendige und zweckmäßige Behandlung vorsieht. Das Wort „optimal“ kommt im Gesetzestext nicht vor.

Lt. Dr. 9 ist die medizinische Versorgung in Deutschland nicht nur ausreichend, sondern auch gut.

Dr. 9 denkt oft an seine Zeit als Klinikarzt zurück, in der die bestmögliche ( optimale ) Behandlung der Patienten Priorität hatte. Jetzt ist als niedergelassener Arzt auch Unternehmer und muss auch unternehmerisch denken und handeln.

Interview mit Dr. 9 (Fortsetzung) Fragenkomplex 8 In der ökonomischen Theorie gibt es das Konzept des homo oeconomicus, das besagt, dass jeder Mensch selbstnutzenmaximierend handelt. Es wäre zu erwarten, dass das gleiche Konzept auf das Entscheidungsverhalten von niedergelassenen Ärzten zutrifft. Verständlich bei der langen Studienzeit, das Wagnis, dass Sie mit einer Praxisgründung auf sich genommen haben und den großen Investitionen, die Sie gelegentlich auf sich nehmen müssen.

Würden Sie sagen, dass Ihr Verhalten dem Konzept des homo oeconomicus entspricht ?

Setzen Sie Ihren eigenen Nutzen höher an als den Ihrer Patienten ?

Dr. 9 verteilt die eigenen Interessen und die der Patienten etwa im Verhältnis 70% beim Patienten und 30% bei ihm.

Wenn die Praxis auch für ihn selbst noch ein gutes( kein übertriebenes ) Einkommen gewährleistet, ist er bereit, das Wohl des Patienten über seine finanziellen Möglichkeiten zu stellen.

Er weiß aber auch von Berufskollegen, dass die eigenen Interessen stärker werden, wenn hohe Schulden „drücken“ und ggf. die Bank Druck ausübt.

Dr. 9 befürwortet, dass Ärzte, aber auch Patienten einen Überblick über die verursachten Kosten der Behandlung erhalten. Dies würde möglicherweise zu einer Reduzierung unnötiger Behandlungen führen, womit mehr Geld „im System“ bleiben würde und bei gerechter Bezahlung der Ärzte keine „Kunststücke“ mehr nötig seien.

Interview mit Dr. 9 (Fortsetzung) Fragenkomplex 9 Was motiviert Sie bei der Ausübung Ihres Berufes am meisten ?

Spaß am Beruf ( er fühlt sich sogar berufen ) Reputation Ein gesichertes Einkommen und einen guten Lebensstandard Interview mit Dr. 10 Fragenkomplex 1 Wie ist Ihre Vorgehensweise an eine konkrete Investitionsentscheidung, z.B. Anschaffung eines neuen Ultraschallgerätes ?

Wodurch werden Sie in Ihrer Entscheidung beeinflusst?

Bekommen Sie in dem Prozess Ihrer Entscheidungsfindung Unterstützung durch Dritte ?

Welche Rolle spielen Intuition und Erfahrung in Ihrer Entscheidungsfindung Dr. 10 nimmt die Investitionsentscheidung als solche gar nicht war.

Spätestens wenn die TÜV-Zulassung abgelaufen ist, müsse man eben „neu kaufen“.

Oder es ergibt sich spontan eine betriebliche Notwendigkeit. „Was muss, das muss“.

Er prüft sogar die Angebote verschiedener Anbieter, kauft aber meist die Geräte und Typen, die auch von seinen Berufskollegen benutzt werden (..muss ja dann wohl notwendig und gut sein) Dabei sieht er sich als leicht beeinflussbar.

Er gibt die Entscheidung auch gern an andere weiter, z.B. an den Steuerberater.

Interview mit Dr. 10 (Fortsetzung) Fragenkomplex 2 Die Voraussetzung für optimale Entscheidungen sind vollständige und präzise Informationen, eine ausreichende kognitive Fähigkeit und das notwendige Fachwissen, um diese Informationen zu verarbeiten.

Müssen Sie gelegentlich suboptionale Entscheidungen treffen, weil Sie nur über unvollständige und unpräzise Informationen verfügen ?

Müssen Sie gelegentlich suboptimale Entscheidungen treffen, weil Sie über keine oder nur eine unzureichende betriebswirtschaftliche Ausbildung verfügen ?

Hat betriebswirtschaftliches Wissen für den Betrieb Ihrer Praxis über die Jahre an Bedeutung gewonnen ?

Dr. 10 verlässt sich bei seinen Investitionsentscheidungen gerne auf das Urteil und die Meinung seiner Kollegen.

Auch er würde gerne wissen, wie die Krankenkassen in der Zukunft seine Leistungen abrechnen.

Er weiß noch nicht einmal, was er zum Ende des nächsten Quartals verdient hat. Erst dann wird der “Gesamttopf“ ( oder was noch darin ist ) auf ihn und seine Kollegen verteilt.

Betriebswirtschaftliches Wissen „kauft“ er über den Steuerberater ein.

Dr. 10 sieht den steigenden Kostendruck und die Notwendigkeit BWL zu beherrschen.

Interview mit Dr. 10 (Fortsetzung) Fragenkomplex 3 Wie gehen Sie mit dem Risiko um, das jede Ihrer Investitionen mit sich bringt ?

Welches Risiko sind Sie als niedergelassener Arzt bereit zu akzeptieren ?

Dr. 10 selbst geht wegen seines Alters keine größeren Risiken mehr ein.

Allerdings habe er kürzlich einen jungen Kollegen mit in die Praxis aufgenommen, der sich als deutlich risikofreudiger erweist.

Fragenkomplex 4 In der Entscheidungslehre gibt es das Konzept der mentalen Modelle, das besagt, dass Entscheidungsträger in ihren Entscheidungen am nachhaltigsten von Informationen beeinflusst werden, welche für sie besonders präsent sind.

Inwieweit ist dieses Konzept auch für niedergelassene Ärzte zutreffend ?

Wenn Sie es für zutreffend halten : Wodurch werden Sie als niedergelassener Arzt am stärksten geprägt ?

Glauben Sie, dass Ihr Medizinstudium Einfluss auf Ihre betriebswirtschaftlichen Entscheidungen hat ?





Dr. 10 hält das Konzept für zutreffend.

Dr. 10 wird am stärksten durch eigene Erfahrungen und auch die seiner Kollegen geprägt.

Die Ausbildung an der Uni hat Dr. 10 bei seiner Niederlassung nicht geholfen.

Interview mit Dr. 10 (Fortsetzung) Dies war bei seinem Studienende noch etwas anders. Damals hätte er noch sehr dazu geneigt, Marken und Technik zu kaufen, die er während seines Studiums oder als Assistenzarzt in der Klinik selbst gesehen oder in der Hand gehabt habe.

Interview mit Dr. 10 (Fortsetzung) Fragenkomplex 5 Viele Kräfte wirken auf niedergelassene Ärzte ein. Es ist davon auszugehen, dass Ihre Patienten, die Politik, die gesetzliche Krankenversicherung, Ihre niedergelassenen Arztkollegen und die Hersteller medizinischen Geräts Erwartungen hinsichtlich Ihrer Entscheidungsfindung haben.

Von welcher der zuvor genannten Kräfte werden Sie in Ihrem Handeln am stärksten beeinflusst ?

Die stärkste Beeinflussung spürt Dr. 10 durch die Krankenkassen ( indirekt durch die Politik, bzw. den Gesetzgeber ) Allerdings stellt er sich auch auf das „Niveau“ der Patienten ein und darauf, welche Ansprüche sie stellen.

Interview mit Dr. 10 (Fortsetzung) Fragenkomplex 6 Auf der einen Seite befinden sich die gesetzlichen Krankenkassen, die Ihnen vorschreiben, wie viel die Behandlung Ihrer Patienten maximal kosten darf. Auf der anderen Seite haben Sie Ihre Patienten, die von Ihnen eine bestmögliche Behandlung verlangen und eine medizinische Entwicklung, die immer bessere, aber auch immer teurere Behandlungsmöglichkeiten erlaubt.

Fühlen Sie sich durch die zuvor beschriebene Situation gelegentlich in einem Zwiespalt ?

Geraten Sie manchmal in Situationen, in denen Sie nicht honorierte Zeit und Ihr privates Geld in die Behandlung von Patienten stecken müssen ?

In welchem Ausmaß sind Sie bereit, privates Geld in die Behandlung Ihrer Patienten zu investieren ?

Während seiner Zeit an der Klinik hatte Dr. 10 keinen Zwiespalt. Den hat er erst jetzt als niedergelassener Arzt. In der Klinik stand das Wohl des Patienten noch ganz oben. Jetzt muss er abwägen.

Dr. 10 investiert auch eigenes Geld und Freizeit in die Behandlung seiner Patienten, macht das aber auch von Sympathien zum Patienten abhängig. Zum Beispiel hat er Mitleid mit alten Männern, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben, Deutschland wieder aufgebaut haben und sich heute keinen Zahnersatz mehr leisten können.

Da er als Zahnarzt zwar Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten hat, seine Behandlungen aber nicht lebensnotwendig sind, kann er zur Vermeidung von Budgetüberschreitungen Behandlungen auch einmal verschieben.

Dr. 10 betont den Anteil der Freizeit, den er neben dem eigenen Geld in die Behandlung seiner Patienten investiert.

Interview mit Dr. 10 (Fortsetzung) Fragenkomplex 7 Wie zuvor beschrieben ist davon auszugehen, dass Ihre Patienten eine optimale Behandlung von Ihnen erwarten.

Wie sieht es in der Realität aus ? Führen Sie gelegentlich eine suboptimale Behandlung durch ?

Dr. 10 gibt zu, dass seine Behandlungen häufig „ausreichend“, aber nicht optimal, damit suboptimal sind.

Dies hält er aber für vertretbar, weil an seiner Behandlung niemand stirbt.

Bei ihm ginge es lediglich um „ ästhetische“ Aspekte.

Bei ihm kann der Patient entscheiden, ob er eine medizinisch ausreichende Behandlung ( zahlt die Kasse ) oder gegen Kostenübernahme eine gute oder gar eine optimale Leistung erhalten will.

Interview mit Dr. 10 (Fortsetzung) Fragenkomplex 8 In der ökonomischen Theorie gibt es das Konzept des homo oeconomicus, das besagt, dass jeder Mensch selbstnutzenmaximierend handelt. Es wäre zu erwarten, dass das gleiche Konzept auf das Entscheidungsverhalten von niedergelassenen Ärzten zutrifft. Verständlich bei der langen Studienzeit, das Wagnis, dass Sie mit einer Praxisgründung auf sich genommen haben und den großen Investitionen, die Sie gelegentlich auf sich nehmen müssen.

Würden Sie sagen, dass Ihr Verhalten dem Konzept des homo oeconomicus entspricht ?

Setzen Sie Ihren eigenen Nutzen höher an als den Ihrer Patienten ?

Dr. 10 geht es nicht nur um Geld. Er sagt, dass er eine Balance zwischen Ethik, Moral und seinem „Geldbeutel“ anstrengt.

Wer wie er eigenes Geld und Freizeit in die Behandlung einbringt, kann Geld nicht als alleinige „Triebfeder“ haben.

Fragenkomplex 9 Was motiviert Sie bei der Ausübung Ihres Berufes am meisten ?

Jedenfalls nicht Altruismus Eher Interesse an der Medizin und die Möglichkeit selbständig zu arbeiten.

Im Vergleich zu Allgemeinmedizinern sei sein Tagesablauf geordneter. Hierüber ist er sehr froh.



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