WWW.BOOK.DISLIB.INFO
FREE ELECTRONIC LIBRARY - Books, dissertations, abstract
 
<< HOME
CONTACTS



«Bäuerliche Experimente in Österreich – Beurteilung von Video als möglicher Auslöser der Experimentiertätigkeit von Biobäuerinnen und ...»

Methodik

Bäuerliche Experimente in Österreich – Beurteilung von Video

als möglicher Auslöser der Experimentiertätigkeit von

Biobäuerinnen und Biobauern

Mayer, P., Vogl, C. und Kummer, S.

Keywords: Bäuerliche Experimente, teilnehmendes Video, Österreich

Abstract

Farmers’ experiments are an integral element of agricultural practice, contribute to the

development of local knowledge and form the precondition for local innovations. This

study addresses organic farmers’ experiments in Austria, and specifically video as tool for capturing and sharing lessons learned from farmers’ experimentation, as well as the potential of video to trigger farmers’ experiments. For 85 % of the surveyed organic farmers (n=34) farmers’ experiments were considered to have high relevance in the course of their farming activities. The elaborated videos stimulated 71 % of the farmers to conduct experiments. The videos were successfully applicable in adult and student agricultural education. After watching them, 12 of 16 students (75 %) came up with ideas for experiments they would like to try at their parents’ farms.

Einleitung und Zielsetzung Landwirtschaftliche Anbau- und Bodennutzungssysteme wurden weltweit überwiegend von Bäuerinnen und Bauern auf Basis ihrer eigenständigen Experimentiertätigkeit und ihres Erfahrungswissens entwickelt (Mak 2001). Das Ausprobieren neuer Methoden (etwa in Anbau oder Fütterung), ist ein integraler und alltäglicher Bestandteil des Lebens von Bäuerinnen und Bauern (Bentley 2006, Sumberg & Okali 1997).

Durch bäuerliche Experimentiertätigkeit erwerben Bäuerinnen und Bauern praktische Erfahrung und reichern das lokale Wissen an (Bentley 2006, Sumberg & Okali 1997).

Bäuerliche Experimente formen die Voraussetzung für die Entwicklung von Innovationen (Leitgeb et al. 2011, Mak 2001), haben das Potenzial die Anpassungsfähigkeit landwirtschaftlicher Systeme zu stärken (Kummer et al. 2012, Leitgeb et al. 2011, Quiroz 1999) – und spielten daher nicht zuletzt auch in der Entwicklung der ökologischen Landwirtschaft eine essentielle Rolle.

Förderliche Bedingungen für bäuerliche Experimente zu schaffen, kann einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung landwirtschaftlicher Systeme leisten (Kummer et al.

2012). Die Förderung partizipativer Forschungsmethoden, die lokale Innovationen anregen und es dabei ermöglichen, ein interessiertes Publikum von diesen profitieren zu lassen, ist eine der Schlüsselaufgaben der landwirtschaftlichen Entwicklung (Chowdhury et al. 2010, Quiroz 1999). Videodokumente können Experimente und InnovatioUniversität für Bodenkultur Wien, Gregor-Mendel Straße 33, 1180 Wien, Österreich, mayer_philipp@gmx.at, www.biobaeuerlicheversuche.org 2 Universität für Bodenkultur Wien, Gregor-Mendel Straße 33, 1180 Wien, Österreich, christian.vogl@boku.ac.at, http://www.nas.boku.ac.at/christian-vogl.html 3 Universität für Bodenkultur Wien, Gregor-Mendel Straße 33, 1180 Wien, Österreich, susanne.kummer@boku.ac.at, http://www.nas.boku.ac.at/susanne-kummer.html Dieser Beitrag ist im Tagungsband der 12. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau erschienen.

D. Neuhoff, C. Stumm, S. Ziegler, G. Rahmann, U. Hamm & U. Köpke (Hrsg.) (2013):

Ideal und Wirklichkeit - Perspektiven Ökologischer Landbewirtschaftung.

Beiträge zur 12. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau, Bonn, 5. - 8. März 2013 Verlag Dr. Köster, Berlin.

Der Tagungsband kann über den Verlag Dr. Köster bezogen werden.

Archiviert unter: http://orgprints.org/view/projects/int-conf-wita-2013.html Methodik

–  –  –

Methoden Im Jahr 2010 wurden vier Videodokumente in Zusammenarbeit mit sechs Biobäuerinnen und Biobauern aus Tirol und Vorarlberg (Österreich) über je ein von diesen Personen ausgewähltes Experiment in einem partizipativen Prozess entwickelt und hergestellt. Die Videodokumente wurden anschließend in unterschiedlichen Lernmilieus eingesetzt und evaluiert, und zwar in zwei Workshops für Biobäuerinnen und Biobauern im österreichischen Bezirk Judenburg, Steiermark (n=34), und einer VideoUnterrichtseinheit mit SchülerInnen einer höheren land- und forstwirtschaftlichen Schule im österreichischen Bezirk Liezen, Steiermark (n=16). In den Workshops mit Biobäuerinnen und Biobauern wurde mittels strukturierter Fragebögen erhoben, in welchen Themenbereichen Experimente durchgeführt wurden und welche Bedeutung bäuerliche Experimente für die Befragten hatten.

Die Datenaufnahme und Videoevaluierung wurden mit verschiedenen Methoden durchgeführt: teilnehmende Beobachtung (Bernard 2006), semistrukturierte Interviews (Bernard 2006), strukturierte Fragebögen (Bernard 2006) und Gruppendiskussionen (fünfminütige, moderierte Diskussion anhand vorab definierter Fragen; schriftliche Aufzeichnung). Für die Datenanalyse wurden die qualitative Inhaltsanalyse (Newing

2011) sowie deskriptive statistische Datenanalyse (Bühl 2010) angewandt.

–  –  –

Dieser Beitrag ist im Tagungsband der 12. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau erschienen.

D. Neuhoff, C. Stumm, S. Ziegler, G. Rahmann, U. Hamm & U. Köpke (Hrsg.) (2013):

Ideal und Wirklichkeit - Perspektiven Ökologischer Landbewirtschaftung.

Beiträge zur 12. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau, Bonn, 5. - 8. März 2013 Verlag Dr. Köster, Berlin.

Der Tagungsband kann über den Verlag Dr. Köster bezogen werden.

Archiviert unter: http://orgprints.org/view/projects/int-conf-wita-2013.html Methodik

–  –  –

Diskussion Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass bäuerliche Experimente für den Alltag von Biobäuerinnen und Biobauern ein relevantes Thema sind und von der Mehrzahl von ihnen durchgeführt werden, was sich in weiteren wissenschaftlichen Abhandlungen bestätigt findet (Kummer et al. 2012, Leitgeb et al. 2011, Bentley 2006, Mak 2001, Quiroz 1999, Sumberg & Okali 1997). Die Themenbereiche, in denen bäuerliche Experimente durchgeführt werden, hängen mit den natürlichen Rahmenbedingungen des Betriebes zusammen und sind daher regional unterschiedlich (Quiroz 1999). Diese Studie wurde in einer von Dauergrünland geprägten alpinen Region durchgeführt, wodurch sich das häufigere Auftreten bäuerlicher Experimente in Tierhaltung und Düngung, im Vergleich zum relativ geringen Auftreten von Experimenten in Ackerbau und Bodenbearbeitung erklären lässt.

Die vorliegende Studie zeigte, dass in einem partizipativen Prozess entwickelte und hergestellte Videodokumente eine Möglichkeit sind, bäuerliche Experimente konkret anzuregen (Chowdhury et al. 2010). Solche fördernden Maßnahmen können die Relevanz bäuerlichen Erfahrungswissens für Bäuerinnen und Bauern erhöhen, lokale Innovationen anstoßen (Kummer et al. 2012, Leitgeb et al. 2011) und zugleich den Dialog zwischen Beratung und Landwirtschaft optimieren (Quiroz 1999). Dieser Umstand lässt sich vor allem durch die vielfältigen und flexiblen Einsatzmöglichkeiten von Videodokumenten, deren inklusiven Charakter (Chowdhury et al. 2010), deren umfassenden Darstellungsmöglichkeiten und deren Authentizität begründen. Letztere macht es für Bäuerinnen und Bauern einfach sich mit den ProtagonistInnen der VideodokuDieser Beitrag ist im Tagungsband der 12. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau erschienen.

D. Neuhoff, C. Stumm, S. Ziegler, G. Rahmann, U. Hamm & U. Köpke (Hrsg.) (2013):

Ideal und Wirklichkeit - Perspektiven Ökologischer Landbewirtschaftung.

Beiträge zur 12. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau, Bonn, 5. - 8. März 2013 Verlag Dr. Köster, Berlin.

Der Tagungsband kann über den Verlag Dr. Köster bezogen werden.

Archiviert unter: http://orgprints.org/view/projects/int-conf-wita-2013.html Methodik

–  –  –

Schlussfolgerungen Der gezielte Einsatz von in einem partizipativen Prozess erstellten Videodokumenten kann einen Beitrag zum Dialog zwischen Praxis und Beratung leisten. Videodokumente machen es möglich, das Erfahrungswissen der Bäuerinnen und Bauern flexibel in die Beratung zu integrieren (Chowdhury et al. 2010). Die Auswirkung von Videodokumenten auf die tatsächliche Experimentiertätigkeit von Biobäuerinnen und Biobauern, sowie SchülerInnen landwirtschaftlicher Schulen konnte in dieser Studie nicht gezeigt werden, da nur die Intention bzw. Motivation zu zukünftigen Experimenten erfragt wurde und nicht überprüft wurde, ob diese auch ausgeführt wurden. Ergebnisse diverser Forschungsprojekte zeigten jedoch, dass Videodokumente im Stande sind, die Praktiken derer zu ändern, die ihnen ausgesetzt wurden (siehe z.B.: Van Mele et al.

2005). Um die Auswirkung der Videodokumente auf die Praxis der bäuerlichen Experimentiertätigkeit zu beurteilen, braucht es weiterführende Studien.

–  –  –

Dieser Beitrag ist im Tagungsband der 12. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau erschienen.

D. Neuhoff, C. Stumm, S. Ziegler, G. Rahmann, U. Hamm & U. Köpke (Hrsg.) (2013):

Ideal und Wirklichkeit - Perspektiven Ökologischer Landbewirtschaftung.

Beiträge zur 12. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau, Bonn, 5. - 8. März 2013 Verlag Dr. Köster, Berlin.

Der Tagungsband kann über den Verlag Dr. Köster bezogen werden.

Archiviert unter: http://orgprints.org/view/projects/int-conf-wita-2013.html





Similar works:

«Comparative analysis of patterns in farm succession in Austria and Japan from a gender perspective Eine vergleichende Analyse der Hofnachfolge in Österreich und Japan aus Geschlechterperspektive Yukiko OTOMO and Theresia OEDL-WIESER Summary Both Austria and Japan have a small-scaled agricultural structure and a high share of farms managed part-time. Family farming is the predominant form of agricultural production. Until recently the family farm was handed over in patri-linear tradition from...»

«Anpassung bestehender Methoden zur Abschätzung der Bodenerosion an die Bedingungen des Ökologischen Landbaus Adaption of methods or assessment of soil erosion for application under organic farming FKZ: 06OE256 Projektnehmer: Technische Universität München Lehrstuhl für Ökologischen Landbau und Pflanzenbausysteme Alte Akademie 12, 85350 Freising Tel.: +49 8161 71-3032 Fax: +49 8161 71-3031 E-Mail: sekretariat.oekolandbau@wzw.tum.de Internet: http://www.wzw.tum.de/ Autoren: Siebrecht,...»





 
<<  HOME   |    CONTACTS
2016 www.book.dislib.info - Free e-library - Books, dissertations, abstract

Materials of this site are available for review, all rights belong to their respective owners.
If you do not agree with the fact that your material is placed on this site, please, email us, we will within 1-2 business days delete him.